15.08.21

Zugang zu Bildung - trotz Beeinträchtigung

Jugendliche mit Einschränkungen - Nachteilsausgleich in der Lehre und in der Mittelschule




Nachteilsausgleich


Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen haben die gleichen Rechte auf eine berufliche Grundbildung oder Mittelschule wie alle anderen Schülerinnen und Schüler auch.

Erfüllen sie grundsätzlich die Voraussetzungen für die entsprechende Berufslehre oder Schule, haben sie einen gesetzlichen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich.
  • Der durch die Beeinträchtigung, d.h. Einschränkung entstehende Nachteil soll damit abgemildert oder aufgewogen werden. 
  • Somit verschafft ein Nachteilsausgleich auch diesen Jugendlichen einen Zugang für eine Berufslehre oder Schule ihrer Wahl. 
  • An den Lernzielen während der Ausbildung, einer Noten- oder Fächerdispensation oder den Prüfungsinhalten dagegen ändert sich gar nichts.

Beispiele von Beeinträchtigungen


Voraussetzung für einen Nachteilsausgleich ist eine körperliche, geistige oder psychische Behinderung, die sich auf die schulischen Leistungen auswirkt wie beispielsweise:
  • Sprachbehinderung
  • Körperbehinderung
  • Hörbehinderung
  • Sehbehinderung
  • Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
  • Lese- und Rechtschreibestörung (LRS)
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Situationsabhängigkeit


Ein Nachteilsausgleich ist immer auf die jeweilige Situation, in der sich der/die Jugendliche befindet, abgestimmt. 

Je nach Einschränkung werden 
  • Zeitgutschriften gewährt, 
  • Lernmedien angepasst, 
  • zusätzliche Hilfsmittele (z.B. Computer, Laptop) erlaubt oder 
  • räumliche und bauliche Anpassungen vorgenommen. 

Keine Abstriche betreffend Leistungsniveau


Hast du eine Beeinträchtigung, darfst du hinsichtlich Ausbildung und Schule keine Sonderrechte und Ausnahmen erwarten.

Das in der Ausbildung geforderte Leistungsniveau gilt für alle Lernenden gleichermassen - unabhängig ob mit oder ohne Beeinträchtigung. 
  • Nicht zulässig sind eine Veränderung der Lernziele, eine Noten- oder Fächerdispensation oder eine inhaltliche Anpassung der Prüfungen. 
  • Möglich sind allerdings Anpassungen der Prüfungsform. So kann die Prüfungszeit verlängert werden oder schriftliche Prüfungen durch mündliche Prüfungen geleistet werden. 
Solltest du die geforderten Ansprüchen an die Berufslehre oder Schule trotz
Nachteilsausgleich nicht gerecht werden können, solltest du deine Berufswahl überdenken und neu ausrichten. 

Achte also schon während der Berufs- oder Schulwahl, ob du den Ausbildungszielen des Lehrberufs oder der Schule mit deinen Leistungsvoraussetzungen genügen kannst. 

Anspruchsberechtigung und Antrag auf Nachteilsausgleich


Damit dir eine Nachteilsausgleich gewährt wird, musst du ein Gutachten einer eidgenössisch anerkannten Fachperson einholen.
  • Gutachten, welche in der Volkschulzeit erstellt wurden, haben für die Lehre oder die Mittelschule keine Gültigkeit. 
  • Es muss in jedem Fall ein neues Gutachten für die Berufslehre oder Mittelschule erstellt werden.
Letztlich entscheidet die zuständige Bildungsinstitution, ob und in welcher Form ein Nachteilsausgleich erteilt wird. 

Jeder Nachteilsausgleich wird begründet und in einer schriftlichen Vereinbarung oder Verfügung festgehalten.

Keinen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich haben übrigens Schülerinnen und Schüler, die ungenügende Kenntnisse der Unterrichtssprache in der Berufsmittelschule oder Mittelschule vorweisen. In diesen Fällen werden spezifische Sprachförderungen angeboten.  

Gesuchsschwerpunkt


Absolvierst du eine Lehre, kannst du sowohl für die Aufnahmeverfahren, die Berufsfachschule, die Berufsmaturitätsschule, die überbetrieblichen Kurse, die betriebliche Bildung (Lehrbetrieb) als auch für das Qualifikationsverfahren (Lehrabschlussprüfung) einen Nachteilsausgleich beantragen. 

Für jeden Lernort muss ein separates Gesuch gestellt werden.

Bei den Gymnasien und den Fachmittelschulen kann der Nachteilsausgleich für die Aufnahmeprüfung, den eigentlichen Bildungsgang und die Abschlussprüfungen beantragt werden.

Auch hier ist für jeden Bereich ein separates Gesuch erforderlich. 

Informationen


Auf den Webseiten der jeweiligen Kantone findest du mit dem Suchbegriff 'Nachteilausgleich' weiterführende Informationen dazu. 

Darüber hinaus informieren die Berufsfachschulen zu Beginn der Ausbildung die Lernenden über die Optionen eines Nachteilsausgleichs.

Bei den Mittelschulen und den Berufsfachschulen gibt es eine verantwortliche Ansprechperson, die dir als Schülerin, als Schüler und deinen Eltern weiterhilft. 

Lehrabschlusszeugnis, Schulzeugnis


Ein Nachteilsausgleich wird übrigens im Zeugnis nicht vermerkt. Schliesslich werden ja die gleichen Leistungsmassstäbe an eine Lehre oder Schulbildung an dich gesetzt wie an Schülerinnen und Schülern ohne Beeinträchtigung. 

Da du die gleichen Leistungen erbringen musst, hast du gleichzeitig einen Vorteil: du wirst mit deinem Abschluss den anderen in nichts nachstehen. 





15.07.21

Start in die Berufslehre: So gelingt dir der Einstieg in die Lehrberufswelt

Dein Schritt von der Schule in der Lehre






Start beim Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule


Fast 25% der Lernenden brechen die Lehre vorzeitig ab. 
Wenn du als Schulabgänger:in in die Berufslehre startest, ist die Auflösung eines Lehrvertrags sicherlich nicht das erste, woran du denkst.

In einer Lehre wirst du Höhen und Tiefen durchlaufen. Vielleicht gibt es sogar eine Phase, in der du an deiner Lehrberufswahl zweifelst oder dich - vor allem zu Beginn -  fragst: 'Wie schaffe ich das alles?' So viele Informationen, die ich mir merken muss, so viele Anforderungen, die an mich gestellt werden. 

Wenn du vor Lehrbeginn die richtigen Vorkehrungen triffst, wirst du den Anfang deiner Berufslehre problemlos meistern. Ein Lehrabbruch wird dann nie Thema werden. 


Die Umstellung


Von der Schulbank mit freien Nachmittagen in den Lehrberufsalltag zu wechseln, erfordert von dir eine Umstellung. 

Du wirst im Verbund mit erfahrenen Arbeitskolleg:inn:en zu vorgegebenen Arbeitszeiten arbeiten. Die Arbeitstage, mit weniger Pausen, können lange werden.
Zusätzlich wirst du die Berufsfachschule besuchen und überbetriebliche Kurse belegen.

Dein Programm ist also dicht gedrängt mit Arbeiten und Lernen. Ausserdem hast du weniger Ferien.

In den ersten Wochen deiner Lehrzeit wirst du an deinem Lehrarbeitsplatz und in der Berufsfachschule mit Informationen überflutet werden. Viele neue Eindrücke werden auf dich herunter prasseln. Du lernst die Mitarbeitenden kennen und solltest dir deren Vor- und Nachnamen gleich merken (die/den Berufsbildungsverantwortliche:n kennst du ja schon). 
Du wirst deine zukünftigen Berufsfachschulkolleginnen und Lehrkräften der Schule kennenlernen.

Das kann zu Beginn schon mal echt zu viel werden. 

Es ist normal, dass dir am Anfang der Lehre alles zu überhitzen droht und dich die Informationen und Erlebnisse teilweise überfordern können.

Aber du bist ja nicht alleine. Besprich dich mit deinen Eltern, der/dem Berufsbildungsverantwortlichen oder Lernenden aus höheren Lehrjahren, wenn du den Überblick zu verlieren drohst.
Schalte ab und zu einen Gang zurück.


Gehe durchdacht vor


Jetzt zahlt sich erneut aus, dass du dich bei der Berufswahl sorgfältig vorbereitet hast und dich über den Lehrberuf ausgiebig informiert hast. 
 
Dank der Schnupperlehre weisst du auch bestens, worauf du dich bei deinem gewählten Lehrberuf einlässt und welche Bedingungen dich beim Arbeitgeber erwarten.  Durch sie und durch die Bewerbungsgespräche konntest du schon einen Einblick in das Ausbildungsunternehmen gewinnen. Die Arbeitsumgebung wird dir schon mal nicht unbekannt vorkommen. 

Vorausgesetzt du gehst geplant und vorausschauend vor, kann eigentlich nichts schiefgehen:
  • Wenn du dir die Zeit mit einem Zeitplan einteilst, wirst du schnell merken, dass du es schaffst, auch Zeit für Freizeitaktivitäten zu finden.
    Dieser Ausgleich neben Arbeit, Berufsschule und Lernen ist wichtig. 

  • Bei der Arbeit hilft es, wenn du dir Notizen zu neuen Arbeitsabläufen machst. Diese Anleitungen kannst du dann als Nachschlagewerk verwenden.

  • Statt an mehreren Aufgaben gleichzeitig zu arbeiten, ist es meist besser, sich auf eine zu konzentrieren und die Aufgaben der Reihe nach zu bearbeiten.

  • Versuche deine dir aufgetragenen Arbeitsaufgaben zuerst alleine zu erledigen. Bei Unklarheiten ist es aber nie falsch, zu fragen. 

  • In der Berufsfachschule gibt es Tage, an denen mehrere Prüfungen anstehen. Mach daher deine Hausaufgaben regelmässig - und nicht erst auf den letzten Drücker. So kommst du nicht unter Zeitdruck.

  • Erstelle eigene Zusammenfassungen, um den Stoff einer Prüfung kompakt überblicken und dich optimal darauf vorbereiten zu können.

  • Lege Zeitfenster fest, an denen du mal nichts für deine berufliche Grundbildung machst. Leg die Bücher auch mal auf die Seite, wenn es mal nicht so läuft. 
    Wenn du wieder in besserer Verfassung bist, holst du den Rückstand schnell wieder auf. 

  • Schiebe nichts vor dir her. Du solltest nichts erzwingen, aber durchaus auch mal dran bleiben, wenn es mal ein bisschen harzt. Manchmal kostet Lernen Überwindung, damit anzufangen und es läuft mit dem Lernen besser als gedacht, wenn du mal damit begonnen hast.

  • Erholung ist immer gut. Sorge auch dafür, dass du genügend Schlaf bekommst.


Offene Lehrstellen


Falls du zum Zeitpunkt 07.2021 noch keine Lehrstelle ergattern konntest: In der Schweiz sind noch zahlreiche Lehrstellen auf Lehrbeginn 2021 offen.  
Die Chancen sind also günstig, auch jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu finden.




15.06.21

Lohnnebenleistungen (Fringe Benefits)

Fringe Benefits während der Berufslehrzeit





Fringe Benefits sind Zusatzleistungen für Lernende

Immer mehr Lehrbetriebe gehen dazu über, ihren Lernenden zusätzlich zum Lohn, erfolgsunabhängige Lohnnebenleistungen zu entrichten. 

Diese sind Sachleistungen, die vom Ausbildungsunternehmen unentgeltlich oder verbilligt angeboten werden. 

Darunter fallen Vergünstigungen wie z.B. 

  • Gutscheine für Berufskleidung, Werkzeuge, Computer/Laptop, 
  • Kostenbeteiligung bei Bahnabonnementen, 
  • Kostenübernahmen für von der Berufsfachschule vorgeschriebenen Bücher
  • Kranken- und Unfallversicherungsverbilligungen,
  • zusätzliche Ferienwochen, 
  • Lernberatung, Nachhilfeangebote,
  • Beteiligung an Kosten von Sprachaufenthalten,
  • billigerer Materialbezug,
  • Vorbereitung auf die Teilnahme an Berufsmeisterschaften wie z.B. 'Swiss Skills'

Der Fachbegriff dafür ist Fringe Benefits. 

Dagegen ist ein Bonus eine leistungs- und erfolgsabhängige Zusatzvergütung zum Lohn. Spesen sind eine Entschädigung für berufliche Auslagen. 


Wozu entrichten Ausbildungsunternehmen solche Lohnnebenleistungen?

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen. Für sie ist die Lernendenrekrutierung zu einer Herausforderung geworden.

Ein hoher Lohn während der Berufslehre reicht längst nicht mehr aus, um geeigneten Nachwuchs für sich zu gewinnen. 

Mit Fringe Benefits versuchen sie, Schülerinnen und Schüler für die ausgeschriebenen Lehrstellen und Lehrberufe noch mehr zu begeistern. Sie sind ein Mittel, die eigene Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.


Verblendungsgefahr

Keine angehende Lernende, kein angehender Lernender ist Lohnnebenleistungen abgeneigt. Nicht ohne Grund sind sie bei Lernenden beliebt.

Als Schülerin oder Schüler solltest du dich allerdings nicht davon blenden lassen. 

Weder der Lohn noch Fringe Benefits können eine falsche Lehrberufswahl oder eine schlechte Unternehmenskultur oder einen Berufsbildungsverantwortlichen, mit dem du nicht klar kommst, wettmachen.

Zuallererst solltest du dich mit den Anforderungen des Lehrberufs und dem Ausbildungsunternehmen beschäftigen. Finde in einer Schnupperlehre und in den Bewerbungsgesprächen heraus, ob das Lehrstellenangebot für dich so passt. 

Behagen dir Lehrberuf und Lehrbetrieb, können Lohn und Lohnnebenleistungen die Wahl deiner Lehrstelle und des Lehrbetriebs beeinflussen.




15.05.21

Die erste Stelle nach der Lehre

Worauf muss bei der Bewerbung auf die erste Stelle geachtet werden?




Die erste Stelle nach der Lehre


Deine Bewerbung, die dir den Weg für deine jetzige Lehrstelle geebnet hat, liegt schon eine Weile zurück. 

Jetzt stehst du vor deinem Lehrabschluss und steckst mitten in deiner Lehrabschlussprüfung.  Die individuelle praktische Arbeit (IPA) liegt vielleicht schon hinter dir, das Qualifikationsverfahren steht noch bevor. 

Du bist also gefordert und zeitlich stark eingebunden. Trotzdem solltest du dir schon Gedanken machen, wie es danach weitergeht. 

Kann dir dein Lehrstellenbetrieb keine Stelle nach deiner Lehre anbieten, musst du dich schon vor Lehrabschluss um deine weitere berufliche Laufbahn kümmern.

Vielleicht gehst du die Berufsmaturität an oder machst einen Sprachaufenthalt und kannst so die Suche nach deiner ersten Arbeitsstelle hinauszögern. 

Hast du beschlossen deine erste Arbeitsstelle zu suchen, musst du dich früher oder später mit Bewerbungen befassen. 


Bewerbung


Von deiner Lehrstellenbewerbung weisst du, dass Bewerbungen per E-Mail (unverfängliche Mailadresse!) beziehungsweise Online-Bewerbungsformular Papierbewerbungen langsam aber sicher abgelöst haben. 

Egal, welcher Bewerbungskanal gefragt ist, der Anspruch an eine Bewerbungsdossier ist der gleiche.

  • Die Bewerbungsdokumente müssen vollständig, fehlerfrei und inhaltlich aktualisiert sein. Dazu zählen Bewerbungsbrief, Lebenslauf und Kopien von Zeugnisse (Lehrzeugnis) und Diplome.

  • Richte deine Aufmerksamkeit ganz besonders auf den Bewerbungsbrief.
    Mache dem Unternehmen klar, wieso du die Richtige, der Richtige für die ausgeschriebene Lehrstelle bist. 

  • Bedenke immer, dass hinter jeder Stelle ein Problem eines Unternehmens steckt, das es lösen muss. Erläutere nicht nur, weshalb du in diesem Unternehmen arbeiten möchtest. Zeige viel mehr auf, was du aus deiner Lehrzeit mitbringst, das für den neuen Job nützlich ist. Betone dabei besonders bedeutsame Erfahrungen aus deiner Lehre und hebe Fachkompetenzen durch Beispiele hervor. 

  • Dein (tabellarischer) Lebenslauf soll eine lückenlose Übersicht über die bisherige Laufbahn geben. Liste Qualifikationen wie IT-Kenntnisse, Sprachkompetenzen, Auslandaufenthalte und deine Freizeitaktivitäten mit auf.

  • Es lohnt sich übrigens, die Inhalte der Bewerbungsunterlagen gegenlesen zu lassen.

Erschwerte Arbeitsstellensuche für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger


Die aktuelle Situation hinterlässt gerade auch für Lernende mit erfolgreichem Lehrabschluss Spuren. 
  • Der Arbeitsmarkt steckt in Schwierigkeiten. 

  • Viele angehende Lehrabgänger/-innen werden nicht in ihrem angestammten Berufsfeld arbeiten können. 

Du solltest dich also darauf einstellen, dass du gegebenenfalls viele Bewerbungen abschicken musst und viele Absagen erhalten wirst. 

Du bist vielleicht auch gezwungen, dein Suchfeld auszuweiten und Jobs in anderen Branchen ins Auge zu fassen - oder auf ein Praktikum oder einen Sprachaufenthalt auszuweichen.

Bedenke dabei mit, dass es besser ist eine Arbeit in einem anderen Berufsfeld anzunehmen als eine Lücke im Lebenslauf zu riskieren. 

Vielleicht kannst du dich im Bereich, in dem du deinen Lehrabschluss gemacht hast, weiterbilden (um wieder in den angestammten Beruf einzusteigen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt). 

Auch wenn sich die Lage nicht so schnell entspannt, hat du mit einer abgeschlossenen Lehre einen Trumpf in der Hand. 





15.04.21

Mit gymnasialer Maturität an die Fachhochschule

 PiBS als Weg nach der gymnasialen Maturität




Vom Gymnasium an die Fachhochschule


"Akademiker, die eigentlich keine sind und Bachelors, die nichts taugen", dieser Artikel von Svenja Hofert (2015) hallt immer noch nach.

Sie schwört der vorherrschenden Losung ab, dass möglichst viele studieren sollen. Diese "sind eigentlich keine Akademiker im Kopf ... Sie wollen im Grunde praktisch arbeiten, nicht am Computer".

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass nicht jede mit gymnasialer Maturität ein Hochschulstudium an einer Universität anpeilen soll oder muss.

Alle mit gymnasialer Maturität, denen ein weniger theoretisches Studium vorschwebt, haben mit einem Studium an einer Fachhochschule eine Alternative.

Mit den praxisintegrierten Bachelorstudiengängen (PiBS) von Fachhochschulen können Inhaber mit gymnasialer Maturität (oder einer fachfremden Berufsmaturität ) direkt in ein Fachhochschulstudium einsteigen. 
  • Bei diesem Angebot müssen sie nicht ein Jahr Arbeitserfahrung gesammelt haben, um mit dem Studium beginnen zu können. 
  • Die Praxiserfahrung sammeln sie während der Ausbildung. 
  • Sie machen während des Studiums ein Praktikum in einem Unternehmen (Anteil 40%).
  • Diese Studiengänge dauern vier statt drei Jahre.

Die drei Wege zu eine Fachhochschulstudium

Der ursprüngliche Weg an eine Fachhochschule verläuft entweder über
  • Berufslehrabschluss und Berufsmaturität oder
  • Gymnasiale Maturität mit einem Jahr Arbeitserfahrung (Praktikum)
Mit dem PiBS-Angebot öffnet sich Personen mit gymnasialer Maturität ein dritter Weg.




15.03.21

Schnupperlehren (teilweise unter erschwerten Bedingungen)

Über eine Schnupperlehre zur Lehrstelle




Wie kommst du zu einer Schnupperlehre?

Zur Zeit ist es in einigen Branchen schwieriger eine Schnupperlehrstelle zu finden.

Davon solltest du dich nicht beeindrucken lassen. Insgesamt bieten nämlich nach wie vor viele Berufszweige und Branchen Schnupperlehrstellen an. 

Die Gelegenheit zu Schnuppern, solltest du ergreifen.

Selbst wenn es die Lage für eine Schnupperlehrstelle in deinem angepeilten Unternehmen gerade nicht zulässt, solltest du ihm trotzdem deine Schnupperlehrbewerbung zukommen lassen. 

Bestenfalls merkt dich das Unternehmen nämlich vor, bewahrt deine Bewerbung auf und meldet sich bei dir, sobald es dir einen Schnupptertag oder eine Schnupperwoche anbieten kann.


Hat das Unternehmen (noch) keine Schnupperlehre ausgeschrieben?

Falls ein Unternehmen keine Schnupperlehrstellen ausgeschrieben hat, solltest du dich vergewissern, ob es gar keine Lehrstellen anbietet oder diese noch nicht veröffentlich hat. 

Kontaktiere in diesem Fall das Unternehmen und frage nach ob und wann Schnupperlehren angeboten werden. 

  • Bitte das Unternehmen darum, dich zu kontaktieren, sobald es sich wieder für Schnupperlehren empfehlen kann.
  • Hake nach, wenn du längere Zeit nicht mehr vom Unternehmen gehört hast (es kann nämlich auch sein, dass die Mitarbeiterin das Unternehmen verlassen hat und der neue Mitarbeiter gar nichts von deiner Anfrage weiss).

Online-Informationsveranstaltungen und Online-Schnupperoptionen


Nicht jedes Unternehmen ist in der Lage eine Schnupperlehre anzubieten. Diese suchen deshalb andere Wege, um Jugendlichen Lehrberufe näher zu bringen, z.B. mittels Online-Informationsveranstaltungen.

Da jede Schnupperlehre ausserdem Zeitaufwand für das Unternehmen mit sich bringt und die Zahl an Schnupperlehrstellen begrenzt ist, weichen Unternehmen zusätzlich auf Online-Schnupperangebote aus:

  • Unternehmen haben dafür häufig einen eigenen Webseitenbereich für Lernende erstellt. 
  • Dort sind Informationen zum Unternehmen, zur Berufslehre im Unternehmen und zu Ausbildungsberufen sowie die Kontaktkoordinaten der Ansprechpersonen hinterlegt. 
  • Gerade die Videos von Lernenden, die sich im Unternehmen ausbilden lassen, geben aufschlussreiche Einblicke in das Berufsfeld und die Arbeitsumgebung.

Denke daran, dass auch die Veranstalter von Berufsmessen und Branchenverbände auf ihren Webseiten, Berufe vorstellen.


Wieso eigentlich eine Schnupperlehre?

Informationen zu Berufen und Berufsbilder können niemals eine Schnupperlehre ersetzen. 

  • Erst wenn du in einem Ausbildungsunternehmen vor Ort arbeitest, erhältst du einen wirklichkeitsgetreuen Einblick in einen Lehrberuf.
  • Ausserdem erfährst du, ob du dich im Lehrbetrieb wohl fühlen könntest und du dich mit dem oder der Berufsbildungsverantwortlichen verstehst.
  • Du kannst eins zu eins prüfen, ob der angestrebte Lehrberuf wirklich deinen Fähigkeiten und Fertigkeiten entspricht.
  • Überhaupt vermittelt erst eine Schnupperlehre, ob dir ein Berufsfeld und der Lehrberuf gefallen könnten.


Irrweg?

Es kann schon mal vorkommen, dass du dir unter dem Lehrberuf etwas anderes vorgestellt hast. 

Mit einer Schnupperlehre kannst du bei deiner Berufswahl frühzeitig die Notbremse ziehen. Schlechter wäre es, wenn du erst während der angefangenen Berufslehre merkst, dass du dich bei der Berufswahl vertan hast.

Überlege dir in jedem Fall im voraus gründlich, ob dir der Beruf zusagt, bevor du eine Schnupperlehre machst. Sonst nimmst du anderen Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, in diesem Lehrbetrieb zu schnuppern. 


Wie gehst du für eine Schnupperlehre vor?

Grundsätzlich kannst du auf jedes Unternehmen zugehen, welches Lehrstellen anbietet.

Schaue zuerst auf der Webseite des Unternehmens für Schnupperangebote nach, bevor du eine Mail verfasst oder anrufst, um nach Schnupperlehrangeboten zu fragen.

Falls dir ein Schnupperlehrangebot zusagt, bewirbst du dich direkt mit deinen Bewerbungsdokumenten. 

  • Diese schickst du entweder in einer Mail als Dateinanhang oder 
  • lädst die Datei in einem Online-Bewerbungsformular hoch.

Achte dabei auf die Vorgaben des Schnupperlehrunternehmens (und auch schon auf den Lehrstellenbeginn). 

Ideal ist natürlich, wenn du deine berufliche Grundbildung gleich nach Abschluss deiner obligatorischen Schulzeit in Angriff nehmen kannst. 


Erfahre hier mehr, worauf es bei der Schnupperlehre ankommt.








15.02.21

Den für dich besten Ausbildungsbetrieb finden

 Wie findest du den für dich geeigneten Lehrbetrieb?



Lehrzeit

Du wirst einen grossen Anteil deiner Lehrzeit im Unternehmen, das dich ausbildet, verbringen. 

Es ist also entscheidend, dass du dich im Lehrbetrieb gut aufgehoben fühlst und du eine ordentliche berufliche Grundbildung erhältst.

Wie findest du heraus, dass Lehrbetrieb und du als Lernende/r zusammen passen?

Deinen Lehrbetrieb entschlüsseln

Zum Glück bieten die meisten Lehrbetriebe Schülern und Schülerinnen einen Schnuppertag oder eine Schnupperlehre an. 

  • Hier kannst du einen Arbeitsplatz direkt erleben und anderen Lernenden über die Schulter schauen. 
  • Du kannst dich bei Lernenden im Schnupperlehrbetrieb erkundigen und sie fragen, was ihnen am Lehrberuf und Lehrbetrieb gefällt und was weniger. 
  • Du lernst die Berufsbildungsverantwortlichen kennen.
  • Du erfährst mehr über die Unternehmenskultur und erlebst die Arbeitsatmosphäre.
  • Du lernst das Team kennen, in dem du arbeiten würdest. 

Während einer Schnupperlehre prasseln eine Menge Eindrücke auf dich herab. Entscheidend ist, wie du diese Eindrück einordnest. Lass sie setzen.

Du solltest dich jedoch nicht alleine darauf verlassen. Versuche, deine Erlebnisse und Erfahrungen einheitlich anhand von Bewertungskriterien auszuwerten (das machen die Schnupperlehrbetriebe übrigens mit dem Schnupperlehrbericht auch; hier ein Beispiel). 

Mit diesen Bewertungskriterien hast du eine Grundlage, Lehrbetriebe miteinander zu vergleichen. 

Bewertungskriterien

Untersuchungen zeigen, dass der Lohn während der beruflichen Grundbildung bei Lernenden nicht entscheidend ist.

Eine bedeutendere Rolle, wie eine Berufslehrzeit und ein Lehrbetrieb benotet werden, spielen

  • Respekt der Mitarbeitenden,
  • die Berufsausbildner, der Berufsbildner,
  • Betreuung durch Berufsbildner, Aufmerksamkeit und Unterstützung seitens Berufsbildungsverantwortlichen (Betreuung am Arbeitsplatz, Lernen),
  • die Arbeitszeiten, 
  • die Arbeitsatmosphäre, 
  • Stimmung am Arbeitsplatz,
  • Zusammenarbeit im Team,
  • die Arbeitsaufgaben und 
  • die Abwechslung der Arbeitstätigkeiten. 

Genau auf diese Bewertungskriterien setzen Lernende an, die ihren Lehrbetrieb benoten. Mit diesen Kriterien solltest du einen vielleicht zukünftigen Lehrbetrieb vorab abprüfen. 

Hinweise dazu liefert übrigens auch die Unternehmenswebseite. Ebenso aufschlussreiche Erkenntnisse kannst du während eines Bewerbungsgesprächs gewinnen.

Jede Frage bringt mehr Klarheit

Die Zauberformel heisst Fragen stellen und hinterfragen: Bereite im Vorfeld der Schnupperlehre oder des Bewerbungsgesprächs Fragen zum Lehrbetrieb vor. Schaue hinter die Kulissen.

Diesen gehst du dann selber nach, beantwortest du dir also selber oder du richtest sie an die Berufsbildungsverantwortlichen und die Lernenden. 

Die Antworten dazu geben nicht nur Aufschluss über die Arbeitsbedingungen und Abläufe ihm Lehrbetrieb. Sie zeigen dir auch auf , ob du mit den Mitarbeitenden im Lehrbetrieb klarkommen könntest. 

Die Wahrheit liegt im Lehrbetrieb

Natürlich wirst du erst während der Lehrzeit erfahren, wie es wirklich ist, im Lehrbetrieb zu arbeiten. 
Du kannst nicht alles vorhersehen.

Gehst du vor deiner Lehre gezielt anhand von Bewertungskriterien vor, kannst du dir ein realistischeres Bild des Lehrbetriebs erarbeiten. 

  • Du vermeidest, dass du dich zu schnell für einen Lehrbetrieb entscheidest.
  • Ausserdem lässt du dich nicht so leicht blenden.







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